Mobile Payment – Ein Praxisbeispiel aus der Schweiz

Seit dem 7. Juli 2016 kann man in der Schweiz mit dem iPhone über Apple Pay bargeldlos bezahlen. Nach den USA, Grossbritannien, Kanada, Australien, China und Singapur ist die Schweiz als siebtes Land dazu gestossen. Damit stösst Apple die Schweizer Finanzinstitute vor den Kopf.

Twint und Paymit

Erst Anfangs November 2015 lancierte Postfinance schweizweit die Bezahl-App Twint, mit der man in verschiedenen Supermärkten, Restaurants, Bahnhöfen und Onlineshops bargeldlos bezahlen kann. Weil Twint dafür die Funktechnologie Bluetooth verwendet, mussten zuerst tausende Ladenkassen, Ticket-Automaten und Poststellen mit geeigneten Terminals ausgerüstet werden. Zugleich sind verschiedene renommierte Schweizer Banken an Bord dieser Bezahl-App gegangen. Als Konkurrent steht Ihnen die Bezahllösung Paymit gegenüber, welche von Finanzinfrastrukturanbieter SIX, dem Telekomanbieter Swisscom und von mehreren Schweizer Grossbanken, unter denen auch die UBS und ZKB dazugehören, betrieben wird. Für die bargeldlose Bezahlung wendet Paymit die QR-Code Technologie an. Nachteil dieser Lösung ist, dass dafür eine Netzverbindung auf dem Smartphone benötigt wird. Beide Parteien haben bereits Millionen in ihren jeweilige Entwicklungsschritte investiert.

Apple Pay

Weil nun Apple, früher als gedacht, in den Markt des mobilen und kontaktlosen Bezahlens eingetreten ist, versetzt der Smartphone-Riese die Schweizer Finanzbranche in Aufruhr. Damit greift ein branchenfremdes Unternehmen die Banken im Bereich des Zahlungsverkehrs an. Mit der Bezahlfunktion Apple Pay ist es nun möglich über die Touch-Funktion des iPhones, iPads und der Apple Watch bargeldlos zu bezahlen. Dies wird durch einen Chip ermöglicht, welcher in den Apple Geräten eingebaut ist. Dabei kommunizieren Smartphone und Terminal via Near Field Communication (NFC) untereinander. Während des Zahlungsvorgangs werden damit keine Kreditkartennummern mit den Händlern geteilt. Es erfolgt lediglich ein Transfer der Geräte-Accountnummer mit einem dynamischen Sicherheitscode. Die Bezahlung kann daher sehr einfach und direkt mit dem Fingerabdrucksensor Touch ID abgeschlossen werden, ohne dafür eine App öffnen zu müssen.

Twint und Paymit zusammen gegen Apple Pay

Schon als Apple angekündigt hatte mit Apple Pay in der Schweiz durchstarten zu wollen, haben sich Twint und Paymit entschieden, als Gegenreaktion, gemeinsame Wege zu gehen und dem Riesenunternehmen vereint Konkurrenz zu machen. Die Fusion soll im Herbst erfolgen, sobald die Eidgenössische Wettbewerbskommission (Weko) dieser zustimmt. Damit würden die fünf grössten Schweizer Finanzinstitute Credit Suisse, Postfinance, Raiffeisen und ZKB zusammen mit SIX, Swisscom und den zwei grössten Schweizer Detailhandelsunternehmen Coop und Migros gemeinsam gegen Apple am Finanzmarkt agieren.

Auch der Konsumentenschutz hat sich eingeschaltet und Klage gegen Apple erhoben. Der Grund dafür ist, dass der Smartphone-Gigant anderen Anbietern von Bezahl-Apps den Zugriff auf die NFC-Schnittstelle verweigert. Es bleibt also abzuwarten ob sich Apple Pay in der Schweiz durchsetzt und wie sich dabei die Konkurrenz verhalten wird. Eines ist aber klar: Mit der NFC Technik hat Apple einen entscheidenden Vorteil, da diese Technologie ein internationales Standardverfahren ist. Deswegen ist es möglich auch im Ausland zu bezahlen, ohne dafür Händler mit Bezahlstationen ausrüsten zu müssen. Ein weiteres As im Apple Ärmel besitzt der Grosskonzern in seinem Netzwerk an Smartphone-Nutzern.

Digitalisierung weiterhin voll im Gange

Jüngstes Beispiel in der Schweiz zeigt, dass die digitale Revolution weiterhin voll im Gange ist. Dies erfordert immer schneller grundlegende Anpassungen in den Geschäftsvorgängen von Unternehmen. Vor allem Banken müssen immer mehr Prozesse komplett neu aufsetzen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil zunehmend branchenfremde Unternehmen dem bankwirtschaftlichen Wettbewerb zustossen. Es ist eine Frage der Zeit bis Fintech-Unternehmen und andere Big Players wie Google mit Android Pay und Samsung mit Samsung Pay sich dem Finanzmarkt anschliessen. Im gezeigten Exempel bedroht z.B. Apple mit seinem mobilen Bezahlsystem die – noch – bestehende Vorherrschaft der Banken im Zahlungsverkehr. Solche grundlegenden Veränderungen am Markt führen dazu, dass Business Modelle von Unternehmen gänzlich neu ausgerichtet werden müssen.

Das Research Lab for Digital Business plant zukünftig ein Forschungsprojekt mit Banken aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zum Thema „Digital Innovation & Governance“. Darin werden unter anderem auch die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen untersucht, denen sich Finanzinstitute in der digitalen Transformation stellen müssen.

Interessierte Executives und Experten aus der Unternehmenspraxis sind dazu herzlich eingeladen an diesem Forschungsprojekt mitzuarbeiten. Bitte melden Sie sich bei Interesse per Email an Prof. Dr. Rossmann (alexander.rossmann[at]reutlingen-university.de) oder Sulejman Vejseli (sulejman.vejseli[at]hhz.de).

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